poker-psychologie

montag, 08. märz 2010

radio-moderator: “was genau fasziniert die leute denn an einem überfall dieser art? ist das sensationslüsternheit? oder steckt da vielleicht noch ein anderes interesse dahinter?”

polizei-psychologe: “als erstes muss man sagen: bei dem überfall handelte es sich um einen raub an einer gemeinschaft oder institution, also nicht an einer einzelnen person, und das geld war ja auch da, es wurde also nicht von armen genommen. der verlust verteilt sich sozusagen auf mehrere menschen, und das macht es dann einfach, das verbrechen zu gewissermaßen bagatellisieren - denn der entstandene schaden verteilt sich ja auf viele köpfe und trifft nicht einen einzelnen.”

moderator: “und viele menschen wollen sich das ansehen, wollen wissen, was da genau passiert ist. nun ist es ja so, dass die täter eher unprofessionell vorgegangen sind, manche trugen keine maske…”

polizei-psychologe: “…es entsteht viel interessse und es gibt ja viele bilder davon, wir haben die aufnahmen der kameras, und viele, die gerade vor ort waren, haben ihrerseits private bilder gemacht. wir sind gerade dabei, dass alles auszuwerten, und das erfordert natürlich eine gewisse zeit, weil das material so umfangreich ist. bei den tätern scheint es sich eher um kleinere ganoven zu handeln, vielleicht war der überfall ja geplant, wurde dann aber nicht professionell ausgeführt. und wenn man sich die bilder anschaut, und das können ja viele, dann ist es so, als sei man dabei gewesen, und dieses anschauen der filme verstärkt sozusagen die schadenfreude, weil man dabei sozusagen selber dabei ist und sieht, wie unprofessionell die vorgegangen sind.”

[auf einem anderen sender am selben tag:]

radio-moderator: “was, aus ihrer psychologischen sicht, ist an so einem überfall eigentlich das interessante? wollen wir das wirklich sehen, verbrechen und auch das chaos, denn es war ja eine chaotische situation, die sich da abgespielt hat bei dem poker-tournier im hotel hyatt.”

psychologin dr. h. (nicht bei der polizei arbeitend): “was daran fasziniert ist einfach, dass sich menschen über die gesetzten regeln hinwegsetzen, das ist das, was uns auch an rebellen, desperados, an abenteurern und piraten fasziniert. das sind eben leute, die sich nicht an die gesetzmäßigkeiten oder an das korsett halten, das uns reglementiert. dabei traf es ja auch auf der anderen seite leute, die sich daran nicht halten - denn das geld wurde ja eben von spielern genommen, also von poker-spielern, und nicht von beispielsweise einer alleinerziehenden mutter oder von einem rentner, der sich das geld sauer verdient oder erspart hat. das verstärkt dann oder emöglicht die identifikation mit den räubern, man nennt das in der psychologie auch den ‘robin-hood-effekt’.”

moderator: “aber handelt es sich nicht um ein verbrechen? man müsste das doch ablehnen und nicht interessant finden dürfen?”

psychologin: “ja sicher. aber schauen sie sich doch mal die großen persönlichkeiten in der geschichte an, menschen, die der allgemeinheit in erinnerung beblieben sind, auch menschen, die etwas erreicht haben, die für etwas eingetreten sind, rechte erstritten oder interessen durchgesetzt haben. sie werden erstaunt sein, wie wenige von denen sich im rahmen ihrer legalen möglichkeit bewegt haben. es sind eben die ausnahmeerscheinungen und die regelverletzer, die unangepassten, die letztlich dann auch für die nötige dynamik sorgen, damit sich etwas gesellschaftlich bewegt, wohin auch immer. natürlich kann man das nicht mit einem raubüberfall vergleichen, denn das ist ja eher trivial. ich würde sagen: uns interessieren einfach solche menschen mehr, die etwas anders machen als der rest. und wenn diese dann auch noch denen etwas wegnehmen, denen wir sowieso nicht ganz trauen, die uns also nicht ganz geheuer sind in der art und weise, wie sie zum beispiel an geld gekommen sind, dann tritt so etwas ein wie schadenfreude. das ist einfach die lust, etwas zu sehen, was demjenigen schadet, auf den sich auch ganz innerhalb der gemeingültigen regeln ablehnung oder aggressionen beziehen.”

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