Experimentalkochen

30.10.2005 um 21.41 Uhr | experimente | 4 Kommentare

Halloween naht und aus allen Ecken lachten mich in den letzten Tagen große, kleine, runde, birnenförmige, gelbe, orangene Kürbisse an. Warum nicht mal einen Kürbis schlachten und ein leckeres Halloweensüppchen daraus brauen, dachte ich mir und kaufte gestern auf dem Markt einen dunkelorangefarbenen, niedlichen Hokkaidokürbis.

Heute, kurz nach Anbruch der Dunkelheit, war es dann so weit. Ich hatte mir extra ein altes, dunkles T-Shirt angezogen, damit man die Kürbisspritzer darauf nicht so sah. Bei fremdem Gemüse weiß man ja nie, zu welchen Zuckungen es noch fähig ist. Die Zutaten waren schnell zurechtgelegt, und im Hintergrund jammerte die Orgel in Nick Cave’s “Red Right Hand” dem niedlichen Hokkaidokürbis das letzte Geleit zu. Ich zückte das große Brotmesser, hob die Hand und ließ noch einen letzten professionellen Blick über das Rezept gleiten: “Schälen sie den Kürbis …”

Schälen? Hallo? Ich nahm die Hand mit dem Messer wieder runter. Die Orgel arbeitete sich in einen schaurigen Moll Akkord hinein und Nick sang “they’re whispering his name through this disappearing land but hidden in his coat is a red right hand”. Vor meinem geistigen Auge sah ich den niedlichen Hokkaidokürbis und mich, den Sparschäler noch in der Hand, Stunden später mit glasigem Blick auf dem Fußboden sitzen, dunkelorangefarbene Späne auf meinem Körper verteilt, die gelegentlich von hellorangefarbenen Kürbisfasern aufgehellt wurden. Mein Blick wurde hart. Das kam überhaupt nicht in Frage. Ich hatte Hunger. Und ich wollte Suppe. Entschlossen hielt ich den Kürbis fest und hob wieder die Hand. Mit meiner ersten Ananas war ich damals auch fertig geworden, dachte ich noch, als sich die Orgel im Hintergrund zum Solo aufschwang und mein Messer punktgenau in der Kürbismitte landete. Ritze, ratze, voller Tücke, in den Kürbis eine Lücke.

Von da an arbeitete ich schweigend und konzentriert. Mit dem Esslöffel entfernte ich geschickt die Innereien, danach zerteilte ich den niedlichen Hokkaidokürbis erst in längliche Achtel und anschließend in Würfel. Von den Würfeln trennte ich im letzten Durchgang die harte Schale ab. In der Zwischenzeit waren die Zwiebel und der Knoblauch glasig gedünstet, so dass ich die hellorangefarbenen Kürbiswürfel zum Andünsten in den Topf geben konnte. Zufrieden bedeckte ich den Topf mit dem Deckel und machte mich daran, die orangenen Farbreste von meinen Händen zu waschen. Die drei Messer und das Schneidebrett legte ich zum Einweichen in die Spüle und ich überlegte, dass es wohl am geschicktesten sei, die hellorangefarbenen Kürbisspuren sofort von den Fliesen zu waschen, bevor sie antrockneten. Doch vorher füllte ich den Topf noch mit Gemüsebrühe und Kartoffelwürfeln auf, damit alles weich kochen konnte.

Nach ca. 15 Minuten war die Küche wieder blitzblank, Nick hatte sich zu “Ain’t gonna rain anymore” durchgearbeitet und ich zückte den Pürierstab zum Finale. Es galt, die letzten Spuren des niedlichen Hokkaidokürbisses in eine suppige Konsistenz zu verwandeln. Anschließend würzen, mit Sojacreme, Weißwein und Apfelwürfeln noch einmal kurz erwärmen - voilà, fertig war mein Halloweensüppchen.

Wer das Experiment nicht scheut, für den gibt es hier das Rezept: mehr…

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