Another Kind of Soul Music
26.01.2006 um 21.21 Uhr | reviews | Kein KommentarWahnsinn ist, wenn man sich mitten im ersten angesagten Eisregen des Jahres ins Auto schwingt, um gut 100 Kilometer zu einem Konzert zu fahren. Da ich diese Warnung glücklicherweise im Radio verpasst hatte, verbuche ich meine Reise zu Sieges Even und Dead Soul Tribe unter den normalen Fanwahn.
Beide Bands kannte ich bisher nur von CD und war gespannt, wie sie ihre musikalischen Frickeleien live umsetzen würden. Sieges Even spielten überwiegend Stücke von ihrem neuen Album “The Art of Navigating by the Stars”. Ich fand die Performance der einzelnen Musiker schon auf dem Tonträger wirklich unglaublich, aber live setzten sie der Spielintensität noch mal eins drauf. Frontmann und Sänger Arno Menses überzeugte nicht nur durch absolut perfekten Gesang mit Gänsehauteffekt, sondern hatte auch offensichtlich Spaß daran, mit seiner Band bei den instrumentalen Passagen abzurocken. Bei Oliver Holzwarth wirkte das Bassspiel wie eine lockere Fingerübung zum Aufwärmen, und Markus Steffen an der Gitarre lieferte einen stimmigen Dialog bei gepflegtem Unterstatement dazu. Trotz der häufigen Rhythmus- und Tempowechsel, die Drummer Alex Holzwarth ebenso locker hinlegte wie seine Kollegen, wirkte die Show nie sperrig oder künstlich - im Gegenteil. Da waren vier Musiker auf der Bühne, die in einem eingespielten Team großartige Geschichten für’s Kopfkino erzählten.
Dead Soul Tribe spielten ein gemischtes Programm aus ihren CDs und rockten gleich ordentlich los. Ich hatte mir einen guten Platz vorne rechts vor der Bühne gesucht, um Drummer Adel Moustafa im Auge zu haben, der schon alleine eine astreine Show hinlegte. Wenn aber zwei Gitarren und ein Bass dazu noch geschlossen Front nach vorne machen, bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich zu ergeben und alles zu schütteln, was man hat. Die nächsten zwei Stunden waren einfach nur Rhythmus pur, und ich ließ mich in die treibenden Drums und den hypnotischen Sog der Gitarren fallen.
Devon Graves gab ganz am Ende noch eine wunderschöne Zugabe mit akustischer Gitarre und bedankte sich anschließend beim Publikum für ihre Unterstützung. So eine Äußerung mag nach Klischee klingen, bei Mr. Graves kam sie jedoch sehr ehrlich rüber. Er wirkte als Person sehr zentriert und intensiv, und zumindest ich verließ den Saal an diesem Abend mit dem Gefühl, ein sehr besonderes Konzert erlebt zu haben.
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