Draußen

23.01.2008 um 19.55 Uhr | daily mumpitz |

Des Mainzers liebste Freizeitgestaltung am Freitagabend ist die Ü30 Party im KUZ. Selbst die kältesten Temperaturen halten die Tanzwütigen nicht davon ab, sich in die Warteschlange einzureihen, um sich schließlich Zentimeter um Zentimeter ans Kassenhäuschen heranzuarbeiten.

Letzten Freitag waren T. und ich im Zappelmodus und machten uns kurz vor Mitternacht enthusiastisch auf den Weg. Die Schlange war lang, das Volk war viel und wir wähnten uns eher im belebten Madrid als im beschaulichen Mainz. Das weibliche Jungvolk trainierte anscheinend schon für Karneval, pardon Fasching, und bibberte wahlweise im kurzärmeligen Shirt oder im gürtelähnlichen Mini mit bunten Strümpfen vor sich hin. Wir standen kuschlig in unserer Langschlang und formten derweil neue Freundschaften. Ab und zu guckten wir ganz neidisch auf die leeren Bierflaschen auf den beiden Fenstersimsen, anhand derer wir grob abschätzten, wie lange wir schon draußen standen.

Nach ca. 1 Stunde ergatterte unser neuer Freund vor uns eine einzelne Karte, die jemand zum Verkauf anbot und verschwand in der raunenden Menge durch das Eintrittstor. Plötzlich ein Aufschrei: „Die Kasse macht wieder auf!“ Über die müden Gesichter huschte ein Anflug von Hoffnung, alle reckten wie Erdmännchen die Hälse und trippelten aufgeregt auf der Stelle. Und tatsächlich, die Menge bewegte sich vorwärts. Ich vermeinte sogar, vereinzelt erleichtertes Schluchzen zu hören.

Kurz bevor wir nach 1,5 Stunden die Etappe Kassenhäuschen erreichten, ließ man dort die Rolläden der Verdammnis wieder runter. Ausgesperrt. Morgens um halb zwei in Deutschland. Kein Knusperquadrat zur Hand und noch weniger ein tröstendes Bier in Reichweite. T. und ich kletterten über die Absperrung, gingen nach Hause und freuten uns über diesen außerordentlich witzigen Abend mit vielen neuen Freunden und Anekdoten draußen vor der Disco.

3 Kommentare »

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  1. Jezz gibt’s hier von ‘em escht Meenzer Bubb eine aufs Dach. Es heißt in Meenz weder Karneval, noch Fasching. Es heißt Fassenacht. Karneval is’ bei den Rotzbremsenträgern und Schnatterliesen unterm Dom mit ihrem tasteless Schankbier oder bei den Radschlägern 35 km weiter nördlich. Fasching zelebriert man hier in meinem unfreiwilligen Exil im Schwabenland. Fasching ist hier völlig spaßfrei. Im Alemannischen (Fasnet) ist Lachen gar verboten und führt zum sofortigen Ausschluß aus der Kleppergarde. Die Familie des Lachers gilt für immer als geächtet und man zieht besser weit weg. Bei den Bayern heißt es glaube ich auch Fasching. ABER DOCH NIT IN MEIM GOLDISCH MEENZ!!!

    Kommentar von redunzl — am 24.01.2008 um 20:32 # | Editieren

  2. Oh-je-mi-neh! Ich werde mir an Aschermittwoch eine Extraportion Asche auf’s Haupt streuen! Bleibt mir zur Versöhnung nur noch ein kräftiges: A-ääähh … Mist … HELAU!
    Mann, das ist als Exilrheinländerette gar nicht so einfach.

    Kommentar von pollymere — am 25.01.2008 um 17:09 # | Editieren

  3. marktlücke in mainz entdeckt: ü30-parties mit ausreichender hallenkapazität. helau!

    Kommentar von itha — am 28.01.2008 um 12:46 # | Editieren

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